Integrales Wasserressourcenmanagement

 

Seit Gründung des FiW an der RWTH Aachen sind der Gewässerschutz und das Flussgebietsmanagement wichtige Arbeitsbereiche des Instituts. Mit der Zeit entwickelten sich diese Themenfelder von anfänglichen spezifischen Fragestellungen zum Sauerstoffverhalten und zur Schadstoffaufnahme einzelner Fließgewässer zu einem fachlich breiter angelegten Fachbereich. Dr.-Ing. Paul Wermter entwickelte mit Unterstützung der Expertise des FiW-Teams und mit der deutschen und europäischen Perspektive die thematische Breite des Fachbereichs Flussgebietsmanagement. Im Jahre 2015 erweitert das FiW den Fachbereich mit dem Ziel eines ganzheitlichen, sowohl zeitlich als auch räumlich und sektoral übergreifenden und noch stärker international ausgerichteten Fachgebiets Integrales Wasserressourcenmanagement (IWRM).

Die folgenden Abschnitte zeigen einen Ausschnitt der Arbeitsfelder des FiW im Fachgebiet IWRM. Hierzu gehören beispielsweise:

•    Gewässergüte und Stoffflussmodellierung

•    Mikroschadstoffe – von löslich bis partikulär

•    Wasserwirtschaft im Dialog

 

 

Gewässergüte und Stoffflussmodellierung

Im Zuge der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) richtet das IWRM des FiW zeitgemäß einen seiner Forschungsschwerpunkte auf die Erfassung und die Modellierung von Gewässergüteparametern und Stoffflüssen in Gewässern. Zur Abbildung und Bewertung der Belastungssituationen sowie zur Maßnahmenableitung und Abschätzung der prognostizierten Entwicklung der betroffenen Gewässer erhebt das FiW in mehreren nationalen und internationalen Forschungsprojekten mit angepassten Monitoringprogrammen Gewässergütedaten in stehenden und fließenden Gewässern. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Dr.-Ing. Paul Wermter analysiert ein Team bestehend aus Dipl.-Ing. Ralf Engels, Dr.-Ing. Wolfgang Kirchhof, Dr.-Ing. Dorothea Weingärtner, Jan Echterhoff, M. Sc. und engagierten Studenten die erhobenen Daten und erstellt ortspezifische Modelle als Prognoseinstrumente für gewässergütetechnische Herausforderungen und zur Ableitung von wasserwirtschaftlichen Maßnahmen.

•    Rohwasserqualitätsveränderung durch Dynamisierung von Trinkwassertalsperren betrachtet das FiW mit seinen Partnern in ENERWA „Energetische Optimierung des wasserwirtschaftlichen Gesamtsystems“ im Rahmen der ERWAS-Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF)

•    Gewässergüte im Oberlauf des Yangtze ist Thema des BMBF-CLIENT-Verbunds WAYS „Zukunftsfähige Technologien und Dienstleistungen für Wasser- und Ressourcenmanagement am oberen Yangtze in Sichuan, VR China“

•    Deutsche Umwelttechnik in chinesischen Megawasserressourcen ist ein wichtiger Baustein in der deutsch-chinesischen Forschungskooperation des BMBF-CLIENT-Verbunds SINOWATER „Good Water Governance, Management und innovative Technologien zur Verbesserung der Wasserqualität in zwei bedeutsamen chinesischen Gewässern“ eingebettet in einen neuen strategischen, bilateralen Rahmen von Dr. Ulrich Katenkamp, Leiter des Referats 724, „Ressourcen und Nachhaltigkeit“ im BMBF

 

Mikroschadstoffe – von löslich bis partikulär

Ein weiteres Themenfeld des IWRM ist die ganzheitliche Betrachtung von Makro-, Meso- und Mikro(schad)stoffen in der Wasserwirtschaft. Dabei unterscheidet man Mikroschadstoffe einerseits, die seit einiger Zeit aus unterschiedlichen Perspektiven wasserwirtschaftlich betrachtet werden, von Makro-, Meso- und Mikroplastik andererseits, einem Themenfeld, das sich zurzeit erst entwickelt.

 Der integrale Ansatz des FiW kann auch für dieses Themenfeld anhand von drei Projektbeispielen bzw. -ideen dargestellt werden. Dabei be- und erarbeiten die Mitarbeiter des FiW, Dr.-Ing. Paul Wermter, Dr.-Ing. Natalie Palm, Dipl.-Ing. Susanne Tettinger und Jan Echterhoff, M. Sc. die Fragestellung der

•    Frachtbilanzierung von Mikroschadstoffen in Fließgewässern im Rahmen der Gesamtfragestellung des MKULNV-Forschungsvorhabens „Volkswirtschaftlicher Nutzen der Ertüchtigung kommunaler Kläranlagen zur Elimination von organischen Spurenstoffen, Arzneimitteln, Industriechemikalien, bakteriologisch relevanten Keimen und Viren (TP 9)“ sowie der jüngsten FiW-Dissertation

•    Das Themenfeld Mikroplastik in der Wasserwirtschaft möchte sich zukünftig mit der Schädlichkeit und der bilanziellen Abbildung dieser Verschmutzung beschäftigen.

 

 

Wasserwirtschaft im Dialog

Wie schon die bisherigen Projekt- und Kompetenzdarstellungen verdeutlichen, ist der wasserwirtschaftliche Vollzug eine komplexe Herausforderung. Eine nachhaltige Wasserwirtschaft soll dem Gemeinwohl dienen.

Die Erreichung des gesellschaftlichen Konsenses bei der Beantwortung von Bewirtschaftungsfragen ist ein zunehmend relevanter Bestandteil dieser Aufgabenstellung. Konträre und teils irrationale Interessen müssen mit Rücksicht auf soziale und ökologische Belange sowie auf wirtschaftliche Entwicklungen abgewogen werden.

Das FiW präsentiert seit über vier Jahren über die ingenieurtechnischen Fertigkeiten hinausgehende, partizipative Ansätze unter der Überschrift: „Wasserwirtschaft im Dialog“. In drei unterschiedlichen Projektbeispielen zeigen Jens Schneider, M. A., Dr.-Ing. Paul Wermter und Manuela Stecking, M. Sc. unterschiedliche Herangehensweisen. Der Erfolg des dialogischen Ansatzes, also die Einbindung von Akteuren im Gespräch und die moderierte Entwicklung von gemeinsamen Lösungen, wird anhand der Klimawandelanpassung sowie der Öffentlichkeitsbeteiligung bei der Fließgewässerbewirtschaftung aufgezeigt. Das FiW prägte für diese Arbeitsweise den Begriff der „wissensbasierten Moderation“. Er beschreibt einen Moderationsstil, der konkurrierende Akteure auf Basis eines breiten wasserwirtschaftlichen Fundaments zu gemeinsamen Lösungen führt.

 

•    Konkurrierende Wassernutzungen im Dialog zur Klimawandelanpassung waren Thema des Dialogansatzes im Netzwerk- und Forschungsverbund dynaklim, im Rahmen der KLIMZUG-Förderung des BMBF

•    Neue Instrumente der Öffentlichkeitsbeteiligung entwickelt das FiW mit seinen Partnern im Projekt RiverView im Rahmen der ReWaM-Fördermaßnahme des BMBF durch die mobile Erfassung von Gewässerdaten und Bereitstellung unter Einsatz von neuen Medien und open data

•    Die „wissensbasierte Moderation“ ist dabei natürlich nicht auf „reine“ wasser-wirtschaftliche Fragestellungen begrenzt. Das Projekt render ist dafür ein erfolgreiches Beispiel aus demThemenkreis der Energiewirtschaft

Als Ergebnisse der Arbeit national wie international stehen neben zahlreichen Vorträgen und Veröffentlichungen eine Reihe von Bachelor- und Masterarbeiten sowie zwei Dissertationen im Jahr 2014 und eine weitere Dissertation im Jahr 2015. Sie sind Zeichen für Möglichkeiten und Motivation unserer Mitarbeiter. Die konsequente Orientierung auch auf eine wirtschaftliche Verwertung von F&E-Ergebnissen bietet die Basis für wiederkehrende Kooperationen mit Betreibern und Industriepartnern.

 

 

 

 

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