Mikroschadstoffe: Bilanzierung von Gewässerfrachten


Mikroschadstoffe: Bilanzierung von Gewässerfrachten

 

Auftraggeber:  Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW (MKULNV) 

 

Zur Beantwortung der Frage nach Art und Umfang von Reduktionsmaßnahmen von Mikroschadstoffeinträgen in unsere Gewässer und Kosten der Ertüchtigung von kommunalen Kläranlagen erstellte das FiW unter Leitung von Dr.-Ing. Paul Wermter im Jahr 2013 ein Bilanzmodell für Nordrhein-Westfalen nach dem Vorbild der nationalen Mikroschadstoffmodellierung der Schweiz. Die Immissionsbetrachtung der Belastungen von Gewässern hatte zum Ziel, für NRW den Eintrag von Mikroverunreinigungen gewässerbezogen zu modellieren und auf Basis der Modellergebnisse zu bewerten. Der Ansatz ist als kumulative Bilanzierung von Frachten aufgebaut, wobei ein Worst-Case abgebildet wird. Konzentrationen werden auf Basis der kumulierten Frachten mit Bezug auf die langjährigen mittleren Niedrigwasserabflüsse (MNQ) an den Bilanzknoten berechnet. Als Eingangswert dienen die mittleren Verbrauchsmengen pro Einwohner basierend auf den jährlichen Verbrauchsmengen der Wirkstoffe, wie vom Umweltbundesamt im Jahr 2011 ermittelt. Im Bilanzierungsmodell wurden nur Kläranlagen als Standort von potentiellen Maßnahmen zur Reduzierung der betrachteten Mikroschadstoffe berücksichtigt.

 

Zur Weiterentwicklung der Mikroschadstoff-Bilanzierung und um eine Überschätzung des Maßnahmenbedarfs zu vermeiden, entwickelte Dr.-Ing. Paul Wermter diesen Ansatz weiter. Er legte mit seiner Dissertation „Ableitung von Bezugsabflüssen zur Bestimmung von Mikroschadstoffkonzentrationen in Fließgewässern“ einen entsprechenden Methodenvorschlag vor. Diese Neuerung ermöglicht auf Basis von hydrologischen Pegelanalysen eine differenzierte Ableitung des Maßnahmenbedarfs. Die Arbeit zielt auf die Ableitung von differenzierten, standort- und damit pegelspezifischen Bezugsabflüssen zur bewirtschaftungsregelkonformen, bilanziellen Prüfung der Einhaltung von Umweltqualitätsnormen (UQN) ab. Der bislang übliche Bezug auf einzelne Niedrigwasserabflusswerte wie MNQ in Deutschland oder Q347 in der Schweiz konnte dies bislang nicht zufriedenstellend gewährleisten. Eine pegelspezifische Bestimmung von Jahresdurchschnittskonzentrationen ist unter Verwendung eines einzelnen Niedrigwasserabflusses nicht gewährleistet. Die mit dieser Arbeit vorgelegte Methode zur Ableitung der erforderlichen Bezugsabflüsse schließt diese fachliche Lücke. Sie leistet damit einen Beitrag zur Minimierung der Verunreinigung der Fließgewässer.

 

 

 

 

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