Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie in NRW – ganzheitlich, nachhaltig, gemeinsam


Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie in NRW – ganzheitlich, nachhaltig, gemeinsam

 

Auftraggeber: Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (MKULNV)

Über 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer trafen sich vom 10.-11. März 2015 im LVR-Industriemuseum in Oberhausen zum 10-jährigen Jubiläum des WRRL-Symposiums NRW. Das Motto „Ganzheitlich, nachhaltig, gemeinsam!“ stand im Fokus der Diskussionen und Vorträge. In Abstimmung mit dem MKULNV wurde das Symposium in diesem Jahr sowie für zwei Folgejahre vom FiW inhaltlich geplant und organisiert.

NRW-Umweltminister Johannes Remmel gab einen Ausblick zur WRRL-Bewirtschaftungsplanung. Dabei betonte er die Bedeutung nachhaltiger Wasserbewirtschaftung und mahnte eine schnellere Umsetzung an. Monika Raschke, Referatsleiterin Flussgebietsmanagement beim MKULNV, präsentierte den Sachstand und die bisherigen Fortschritte bei der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie in NRW, zu denen viele der Anwesenden beigetragen haben. Wie groß die gemeinsame Schnittmenge zwischen Maßnahmen zur naturnahen Gewässerentwicklung und zum Lebensraum- und Artenschutz ausfällt, zeigte Dr. Peter Beeck in Vertretung für den erkrankten Dr. Martin Woike mit seinem Vortrag „Wasserrahmenrichtlinie und Naturschutz an Gewässern – Zwei Seiten einer Medaille?“.

Der Bewirtschaftungsplan 2016-2021 und die folgenden gemeinsamen Schritte waren Thema der von Prof. Dr. Michael Reinhardt moderierten Podiumsdiskussion. „Die Begeisterung und Faszination für das Medium Wasser wecken“ und „die Bürgerinnen und Bürger emotional an ihre heimatlichen Gewässer binden“ wurden unter anderem als Strategien identifiziert, mehr Akzeptanz für Lebendige Gewässer und damit die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie zu erreichen. Norbert Engelhardt, Vorstand des Erftverbandes, gab mit: „Die Begeisterung wächst mit dem Baufortschritt.“ Auch Klaus Nottmeyer, Vertreter des Dachverbandes der Biostationen NRW, stimmte dem zu, jedoch gab er zu bedenken, dass Politiker und Kommunalmitarbeiter damit oft nicht überzeugt werden können. Er fordert auf, weniger zu reden und mehr zu handeln.

„Synergien, Schnittstellen, Vernetzung“ standen im Fokus des späten Nachmittags. Bei der Umsetzung der WRRL in NRW gibt es ein großes Synergiepotential. Projekte an den Bächen im Arnsberger Wald (Joachim Drüke), in der Stadterneuerung (Sabine Nakelski) und der Regionale 2016 (Uta Schneider) wie z. B. in Coesfeld (Thomas Backes) zeigen deutlich, dass diese Potentiale zwischen der WRRL sowie der Regional- und Stadtentwicklung oder dem Hochwasserschutz erfolgreich genutzt werden können. Nach Vorstellung der diversen Konzepte und Umsetzungen in unterschiedlichen Kommunen wurde vor allem über die praktische Umsetzung diskutiert.

Der zweite Tag startete mit einem Thema, das vielen Akteuren unter den Nägeln brennt: die Flächenverfügbarkeit. Beispiele zeigten, wie in der Praxis damit umgegangen wird. Einleitend stellte Dr. Uwe Koenzen den typspezifischen Flächenbedarf der Gewässer und Strategien zur Flächengenerierung dar. Andreas Wizesarsky zeigte den Einsatz von Flurbereinigung und Bodenordnung als Lösungsansätze. Die Stadt Beckum war vertreten durch Heinz-Josef Heuckmann, der einige Beispiele vorstellte, bei denen vor allem mit Hilfe der Finanzierung über Ökokonten Erfolge erzielt werden konnten. Beim Wupperverband ist Martin Koch unterwegs, um an der Wupper sowie der Dhünn Flächen zu gewinnen. In Vertretung für Herrn Koch präsentierte Dr. Marlene Liebeskind die Erfolge, die Herr Koch durch Beharrlichkeit und Kommunikationsstärke erzielen konnte. Über mehrere Jahre trat er in Dialog mit den Landwirten, um zu zeigen, dass Gewässerentwicklung keine Nachteile bringt und konnte somit Flächentausch und Flächenkauf voranbringen.

„Auf dem Weg zu einem guten Grundwasser-Zustand“ – der Weg dorthin scheint noch weit. Dies bestätigten auch die Vorträge des letzten Blockes. Friedrich Reh (Gelsenwasser AG) betonte, dass die Kooperation zwischen Wasser- und Landwirtschaft bisher noch nicht ausreichend ist, um die Ziele der WRRL zu erreichen. Auch der Sachverständigenrat für Umweltfragen vertreten in Person durch Prof. Dr. Karin Holm-Müller nimmt sich aktuell des Themas Nitrat an und sieht vor allem die Düngeverordnung als grundlegende Maßnahme für die Umsetzung der WRRL als essentiell an. Laut Christoph Sailer (ahu AG) stellen Schwermetalle zunehmend ein Problem dar, da diese sich durch die hohe Nitratkonzentration leichter im Boden lösen. Birgit Apel (Landwirtschaftsministerium NRW) rät dazu, den Zugang zur landwirtschaftlichen und gärtnerischen Praxis über Beratung zu intensivieren. Die Vorstellungen der Landesregierung zur Novellierung der Düngeverordnung stellte Dr. Ludger Wilstacke, Leiter der Abteilung Landwirtschaft im NRW-Umweltministerium, vor.Die Ausstellung stellte ebenfalls Positivbeispiele für Gewässerprojekte in NRW in den Mittelpunkt. Die Diskussionen und die Pausen wurden zum konstruktiven Austausch genutzt und haben sicher dazu beigetragen, dass noch mehr gute Praxisbeispiele am 13. und 14. April 2016 zum nächsten Symposium vorgestellt werden können.

 

 

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