Direkt zur Hauptnavigation springen Direkt zum Inhalt springen Zur Unternavigation springen

FiW bei ExtremWetterKongress und KlimaManagementTagung 2026

Vom 23. bis 25. September 2026 fand in der HafenCityUniversity Hamburg der ExtremWetterKongress gemeinsam mit der KlimaManagementTagung statt. Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Medien diskutierten über aktuelle Forschungserkenntnisse, Anpassungsstrategien an den Klimawandel und die Kommunikation von Klimarisiken. Das Team des BMFTR-geförderten Projekts R2K-Klim+ war mit zwei Beiträgen vertreten: einer Workshop-Session gemeinsam mit der Stadt Duisburg und einem Vortrag zur Priorisierung von Anpassungsmaßnahmen.

Der Kongress fand nach einem Sommer statt, dessen Folgen sich beziffern lassen. Laut Robert Koch-Institut hat die Hitze in Deutschland mehr als 16.000 Menschen das Leben gekostet. In Hamburg stieg die Temperatur auf über 39 Grad; Kühlanlagen, die Autobahn A7 und eine Landebahn des Flughafens litten darunter. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) stellte auf dem Kongress eine Prognose vor: Hitze, Sturzfluten und Stürme können Deutschland bis 2050 mindestens 280 Milliarden Euro kosten. Kommt der Klimaschutz nicht schnell voran, steigen die Schäden auf bis zu 900 Milliarden Euro. Tobias Fuchs vom Deutschen Wetterdienst warnte zum Auftakt: „Kommende Sommer werden noch heißer.“ Für Tagungspräsident Frank Böttcher hat der Sommer klargemacht, „der Klimawandel und seine Folgen sind jetzt wirklich da“. Er fordert deshalb, Anpassung zu beschleunigen. Beiträge im Programm kamen unter anderem von Luisa Neubauer, Sven Plöger und Prof. Dr. Harald Lesch. Über den Kongress berichteten u.a. auch tagesschau.de und NDR Info.

Klimaanpassung betrifft Stadtplanung, Krisenvorsorge, soziale Infrastruktur und lokale Unternehmen gleichzeitig. Viele Organisationen behandeln sie dennoch als zusätzliche Querschnittsaufgabe neben dem Tagesgeschäft. In Kommunen sind Zuständigkeiten und Schnittstellen oft komplex, und viele Personen, die Entscheidungen vorbereiten oder Maßnahmen umsetzen, kennen sich nicht im Detail mit Klimarisiken aus. Die Folge: Klimaanpassung kommt spät, punktuell oder erst nach einem Ereignis auf die Tagesordnung.

In der Session übertrugen Sophia Schüller, FiW und Fabian Nellesen von der Stadt Duisburg ein Konzept aus dem Marketing auf Planungsprozesse: die Customer Journey, das heißt die Abfolge von Kontaktpunkten, über die Menschen mit einem Thema in Berührung kommen. Sie reicht von der ersten Wahrnehmung („davon habe ich gehört“) über die Entscheidung („Ich mache jetzt etwas“) bis zur Rolle als Fürsprecherin oder Fürsprecher für das Thema. Mit Teilnehmenden aus Kommunen, Wissenschaft, Medien und Praxis erarbeiteten sie eine „Klimaanpassungs-Journey“ als Landkarte. Leitfragen waren dabei z.B. welche Kontaktpunkte haben Mitarbeitende und Entscheidungstragende heute mit Klimaanpassung, etwa über Ereignisse, Planungsroutinen oder Förderanträge? Als Ergebnis entstand eine übertragbare Logik aus Kontaktpunkten und Rollen. Kommunen können sie als Ausgangspunkt für eigene Beteiligungs- und Qualifizierungsstrategien nutzen. Die Session wurde von Dr.-Ing. Mark Braun und Gregorio Cevoli vom FiW unterstützt.

Am Freitag stellte Dr.-Ing. Mark Braun unter dem Titel „Begrenzte Mittel wirksam einsetzen: Entscheidungshilfe zur Priorisierung von Maßnahmen“ das Entscheidungsunterstützungssystem KLAUS (KLimaAnpassung Urbaner Systeme) vor. KLAUS ist ein webbasiertes, kartengestütztes System, das entscheidungsrelevante Informationen für die Stadt Duisburg bündelt. Es bewertet, wie stark Überflutung und Hitze einzelne Räume treffen, und stellt die Ergebnisse über vergleichbare Indikatoren dar. (Link zum R2K-Klim+ Entscheidungsunterstützungssystem)

Anhand von Screenshots und realen Anwendungsfällen zeigte der Vortrag, wie KLAUS in Duisburg kommunale Fragen unterstützt, z.B. 

  • bei der Auswahl von Standorten für neue Trinkwasserbrunnen unter Berücksichtigung von Klimawirkungen und vulnerablen Gruppen. 
  • Identifikation von Defiziträumen als fachliche Grundlage für Fördermaßnahmen
  • Nutzung von Starkregensimulationen in der Siedlungsentwässerung.

Die Teilnahme in Hamburg ermöglichte es dem FiW, beide Ansätze mit Fachleuten aus der kommunalen Praxis zu diskutieren und Rückmeldungen für die Weiterentwicklung mitzunehmen.

Das Forschungsprojekt R2K-Klim+ wird seit 2020 vom BMFTR im Rahmen der Förderrichtlinie „RegIKlim – Regionale Informationen zum Klimahandeln“ gefördert.