Kommunale Klimaanpassungskonzepte
Forschungserkenntnisse in der Anwendung
Mit seinem eigenen Klimaanpassungsgesetz regelt der Bund die Klimaanpassung erstmals bundesweit, nachdem NRW schon im Juli 2021 ein eigenes Klimaanpassungsgesetz verabschiedet hatte. Ein wichtiger Bestandteil wird die Fortschreibung der 2008 erstmals verabschiedeten nationalen Klimaanpassungsstrategie sein. Die erste Entwurfsfassung wurde Ende 2023 von zahlreichen Stakeholdern und der Wissenschaft kommentiert, so auch vom FiW. Analog zum Klimaschutz sollen hier erstmals Indikatoren festgelegt werden, die den Fortschritt der Klimaanpassung messbar machen sollen. Insbesondere dieser Bestandteil wird nur mit entsprechender Unterstützung aus der Wissenschaft erarbeitet werden können.
Bereits im Jahr 2021 novelliert das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) seine Förderrichtlinie „Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels“ der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS). In diesem Programm wird erstmals die Einstellung von KlimaanpassungsmanagerInnen in den Kommunen gefördert, woraufhin zahlreiche Kommunen mit entsprechenden Ausschreibungen reagieren. Doch nicht nur in Bezug auf die Personalkapazitäten werden Kommunen seitdem beim Einstieg in das kommunale Anpassungsmanagement unterstützt. Bestandteile des Förderprogramms sind sowohl die Erstellung nachhaltiger Anpassungskonzepte (Erstvorhaben), Umsetzungsvorhaben (Anschlussvorhaben) als auch ausgewählte Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel. Mit der Abwicklung ist die Zukunft-Umwelt-Gesellschaft (ZUG) gGmbH betraut, weshalb das Programm häufig auch als ZUG-Förderung bezeichnet wird.
Die Förderrichtlinie deckt dabei das Erfordernis für eine kommunenspezifische Klimaanpassung ab. Nicht jede Kommune ist von jeder Klimawirkung gleich stark betroffen. Während in einigen Kommunen an Gewässern die Hochwassergefahr besonders hoch ist, sind andere von sogenannten „Hitzeinseln“ oder häufigeren Starkregenereignissen betroffen. Entscheidend für die Vulnerabilität ist auch immer die individuelle Stadtgestaltung. Dicht bebaute und hochversiegelte Siedlungsräume sind besonders anfällig für klimatische Extreme, während sich Retentionsräume und grün-blaue Infrastrukturen positiv auswirken. Im Zuge begrenzter Flächenverfügbarkeiten kommt es somit zwangsläufig zu Zielkonflikten mit anderen kommunalen Aufgaben, wie der Stadtplanung, dem Verkehr oder dem sozialen Thema der Umweltgerechtigkeit.
Das Förderprogramm berücksichtigt all diese Punkte, um die gesamtgesellschaftliche Aufgabe der Klimaanpassung bundesweit dennoch möglichst einheitlich zu gestalten. Nach einer anfänglichen Bestands- und Betroffenheitsanalyse erfolgt die Identifikation von besonders vulnerablen Räumen in der Stadt, den sogenannten „Hot Spots“. Im Rahmen einer Gesamtstrategie werden dann insbesondere für diese Hot Spots Maßnahmen zur Klimaanpassung entwickelt. Hierbei sollen Schnittstellen zu anderen Zielen der Nachhaltigkeit und kommunalen Aufgabenfeldern berücksichtigt werden. Um dies zu gewährleisten, wird eine Akteursbeteiligung mit den zuständigen Ämtern in der Verwaltung, externen Stakeholdern und der Öffentlichkeit durchgeführt. Ziel des Prozesses ist die Identifikation auch praktisch umsetzbarer Anpassungsmaßnahmen auf lokaler Ebene. Diese werden dann in die Verstetigungsstrategie des Konzeptes integriert, dabei werden Indikatoren für ein Controlling des Umsetzungsfortschrittes definiert. Das FiW bringt an dieser Stelle seine in Forschungsprojekten erworbene Expertise zur kommunalen Klimaanpassung ein. Gemeinsam mit der GERTEC GmbH, die langjährige Erfahrung in der Erstellung von Klimaschutzkonzepten aufweist, erstellt das FiW nun Klimaanpassungskonzepte für verschiedene Kommunen und plant auch weitere Projekte dieser Art.
Das FiW kann hierbei sowohl seine interdisziplinäre Herangehensweise als auch fachliche Expertise zu den Auswirkungen wasserassoziierter Klimawirkungen in die Projekte mit einbringen. In der Hot-Spot-Analyse identifiziert das FiW über GIS-Analysen die Räume, die besonders vulnerabel gegenüber Hochwasser und Starkregen sind. Hinzu kommt die integrierte Betrachtung von weiteren Fachdaten, wie bspw. Stadtklimaanalysen, meteorologischen Kenntagen und soziodemografischen Daten. Als Ergebnis soll die Kommune schließlich ein ganzheitliches Bild ihrer Betroffenheit vom Klimawandel erhalten, um im weiteren Prozess gemeinsam mit FiW und GERTEC effektive Anpassungsmaßnahmen zu erarbeiten. Bei der Einbindung von Stakeholdern und Öffentlichkeit kommt dem FiW seine langjährige Erfahrung in Dialogprozessen, Workshop-Formaten und Wissenschaftskommunikation zu Gute, auch die folgende Erstellung von Maßnahmensteckbriefen war bereits Bestandteil zahlreicher Projekte.

Bereits seit 2020 koordiniert das FiW im Forschungsprojekt R2K-Klim+ ein interdisziplinäres Konsortium mit dem Ziel, ein Entscheidungsunterstützungstool zur Klimaanpassung (KLAUS – Klimaanpassung urbaner Systeme) für die Stadt Duisburg zu entwickeln. Das FiW ist hierbei in Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) verantwortlich für die hydrologische Modellierung unter Berücksichtigung des IPCC-Klimaszenarios SSP3-7.0, die hydraulische Modellierung des Rheins im Stadtgebiet Duisburg und die Entwicklung von Schadensfunktionen für Starkregenereignisse sowie einer integrierten Bewertungsmethodik für Klimawirkungen und Anpassungsmaßnahmen. Als Anwendungsfall wurde im Rahmen des Stakeholderdialogs eine Deichbruchmodellierung in Duisburg durchgeführt. Aktuell laufen bereits die Gespräche zur Implementierung von KLAUS in die Geodateninfrastruktur der Stadt Duisburg, die von einem politischen Austauschprozess auf Grundlage eines Impulspapiers begleitet werden.
Ein weiterer Fokus liegt auf der adressatenspezifischen Wissenschaftskommunikation für unterschiedliche Zielgruppen, für die das FiW u. a. ein AR-Modell zur niedrigschwelligen Kommunikation von Inhalten der Klimafolgenanpassung entwickelt hat. Bei Präsenzworkshops in Duisburg, Stolberg, Heidelberg, Koblenz oder in Zusammenarbeit mit der Begleitforschung beim Umweltbundesamt in Dessau-Roßlau werden insbesondere interdisziplinäre Erkenntnisse erarbeitet. Parallel dazu kommuniziert das Konsortium auch bereits Ergebnisse an Stakeholder und die Öffentlichkeit, bspw. beim Netzwerktag „Grüne Infrastruktur“ des Regionalverbands Ruhr in Essen, bei den Expertenforen der Zukunftsinitiative Klima.Werk in Duisburg, Bottrop und Gladbeck, der jährliche stattfindenden Woche der Klimaanpassung oder beim ExtremWetterKongress und der KlimaManagementTagung in Hamburg.
Fördermittelgeber / Projektträger: Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR, ehem. BMBF), Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR)
Projektpartner: Stadt Duisburg; Forschungsinstitut für Ökosystemanalyse und -bewertung an der RWTH Aachen (gaiac) e. V; geomer GmbH; Rhein-Ruhr-Institut für Sozialforschung und Politikberatung (RISP) e. V. an der Universität Duisburg-Essen; Zentrum für Logistik und Verkehr (ZLV) an der Universität Duisburg-Essen; Prognos AG
Aktuelles zum Projekt auf der Webseite R2K-Klim+
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Die Stadt Ratingen hat bereits 2017 ein Klimaschutzkonzept verabschiedet. Im Zuge der Fortschreibung sollte neben dem Klimaschutz nun auch die Klimaanpassung adressiert werden. Gemeinsam mit der GERTEC GmbH erarbeitete das FiW ein integriertes Konzept, das Wege aufzeigt, um CO₂-Emissionen zu senken und die Stadt widerstandsfähiger gegenüber Hitze, Starkregen und anderen Folgen des Klimawandels zu machen. Das FiW verantwortete dabei das Thema Klimaanpassung, insbesondere die Analyse bestehender Maßnahmen, die Entwicklung von Anpassungsstrategien sowie die Beteiligung von Verwaltung, Wirtschaft und Bürgerschaft.
Projektpartner: GERTEC GmbH
Fördermittelgeber: Stadt Ratingen
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Im Rahmen der DAS-Förderrichtlinie hat die Stadt Werdohl im Jahr 2024 die Erstellung eines integrierten Klimaanpassungskonzeptes in Auftrag gegeben. Gemeinsam mit der GERTEC GmbH hat das FiW ein Jahr lang die Betroffenheit und den Status Quo der Stadt Werdohl in Bezug auf die Klimaanpassung untersucht, Bürgerveranstaltungen und Fachworkshops durchgeführt und einen Maßnahmenplan erstellt. Als Ergebnis wurde der Stadt Werdohl das finale Klimaanpassungskonzept übergeben, dessen Verabschiedung durch die politischen Gremien und anschließende Veröffentlichung bis Ende 2025 geplant ist.
Projektpartner: GERTEC GmbH
Fördermittelgeber: Stadt Werdohl
Im Rahmen der DAS-Förderrichtlinie hat die Stadt Wermelskirchen im Jahr 2024 das FiW, die GERTEC GmbH und die GEO-NET Umweltconsulting GmbH mit der Erstellung eines integrierten Klimaanpassungskonzeptes beauftragt.
Im Rahmen der Bestands- und Betroffenheitsanalyse sowie der begleitenden Partizipationsprozesse – bspw. eine Bürgerveranstaltung und ein Expertenworkshop – war das FiW insbesondere für die wasserassoziierten Themen der Klimaanpassung verantwortlich. Hierfür wurden die existierenden Schnittstellen zu anderen kommunalen Themenfeldern identifiziert, Datengrundlagen (insbesondere Überflutungskarten) visualisiert und Maßnahmenvorschläge erarbeitet. Die GERTEC GmbH koordinierte den Abstimmungsprozess und die Erstellung der Gesamtstrategie und des Umsetzungsfahrplans. Als weiteres Arbeitspaket war die Erstellung einer detaillierten Stadtklimaanalyse vorgesehen, die von GEO-NET durchgeführt wurde.
Die Erstellung des finalen integrierten Klimaanpassungskonzeptes befindet sich in den letzten Zügen. Der politische Abstimmungsprozess ist für Ende 2025 vorgesehen, sodass die Veröffentlichung des Konzeptes im ersten Quartal 2026 erfolgen kann.
Projektpartner: GERTEC GmbH, GEO-NET Umweltconsulting GmbH
Fördermittelgeber: Stadt Wermelskirchen


